WEEE EU2018-05-27T20:16:19+00:00

WEEE in der EU

Auf einen Blick

  • Die WEEE-Direktive regelt das Inverkehrbringen und die Rücknahme von Elektro(nik)geräten in der EU
  • Aktuell gilt die WEEE2-Direktive
  • Jedes Land hat seine eigene WEEE-Gesetzgebung
  • Es gibt keine EU-weite Registrierung
  • Aufgrund der heterogenen Umsetzung kommt es zu zahlreichen Problemen im EU-Ausland
  • Hersteller und Händler können beim Direktvertrieb auch ins EU-Ausland auch dort Verpflichtungen zur WEEE-Compliance haben
  • Die Aufwände aus einer EU-weiten WEEE-Lösung können erheblich sein
  • Harmonisierungsversuche waren bisher wenig erfolgreich
  • Der beste Lösungsansatz ist das zentrale Management verschiedener WEEE-Lösungen in den Ländern
  • Auch außerhalb der EU kann es ähnliche Regularien geben

Tipps & Tricks

  • Prüfen Sie als Anbieter von Elektro- und Elektronikgeräten im EU-Ausland Ihre Verpflichtungen als Hersteller der dortigen WEEE-Gesetzgebung
  • Bei Direktvertrieb in einen EU-Mitgliedsstaat müssen Sie in der Regel dort aktiv werden
  • Definieren Sie eine geeignete Strategie zur Umsetzung Ihrer WEEE-Compliance
  • Ggf. kann es Sinn machen, sich zunächst auf besonders umsatzträchtige oder vielversprechende Länder zu konzentrieren
  • Behalten Sie die potentiellen Aufwände im Auge: Schon bei wenigen EU-Ländern können die laufenden Kosten jene in Deutschland bei weitem übersteigen!
  • Auch wenn Sie nur in Deutschland sitzen, können Sie bei Verstößen im Ausland von Bußgeldern, Abmahnungen oder anderen Sanktionen betroffen sein!

Die europäische WEEE-Direktive

Was ist “WEEE” ?

Der Begriff WEEE ist eine Abkürzung und steht für Waste Electrical and Electronic Equipment– oder auf Deutsch einfach “Elektroschrott”. Die entsprechende WEEE-Direktive ist die europäische Richtlinie für Elektro- und Elektronik-Altgeräte. Sie legt die grundlegenden Regeln fest, die in Bezug auf das Inverkehrbringen, die Rücknahme und Entsorgungvon Elektro- und Elektronikgeräten in jedem Land der Europäischen Union gelten.

ACHTUNG! Wenngleich die WEEE-Richtlinie den europäischen Rechtsrahmen für die verschiedenen Herstellerpflichten vorgibt, wird sie über nationale Gesetzgebungen (wie dem deutschen Elektrogesetz) in jedem Staat der EU einzeln umgesetzt. Es gibt also keine EU-weite Registrierung, sondern nur separate Lösungen je Mitgliedsland. Gleiches gilt übrigens auch für weitere Abfalldirektiven wie BATT (Altbatterien) und PACK (Verpackungen).

Seit wann gibt es die WEEE-Direktive?

Die erste WEEE-Richtlinie 2002/96/EG trat im Februar 2003 in Kraft und definierte erstmalig die Grundlagen für einen einheitlichen Umgang mit Elektro- und Elektronik-Altgeräten in der EU. So wurden die Mitgliedstaaten dazu aufgefordert, Rücknahmesysteme für alte Elektro- und Elektronikgeräte anzubieten, die es Endverbraucher ermöglicht, diese kostenlos und “in zumutbarer Entfernung” zurückgeben zu können. Statt dem Endnutzer mit den Kosten für die Entsorgung zu belasten, waren nun – dem Verursacherprinzip [Polluter Pays Principle, PPP] folgend – die Hersteller von Elektro- und Elektronikgeräten für die Finanzierung der Rücknahme und Entsorgung zuständig. Sie wurden außerdem dazu aufgefordert, ihre Produkte so zu gestalten, dass die Reparatur, die Wiederverwendung und das Recycling so einfach wie möglich durchzuführen sind.

Die erste Fassung der WEEE-Richtlinie (WEEE1) sollte bis zum 15. August 2005 in jedem Mitgliedstaat der EU in nationales Recht umgesetzt werden. Nicht alle Länder haben dies bis zu dieser Frist geschafft. Beispielsweise hat Großbritannien viel länger gebraucht, um die Vorgaben zu implementieren.

In 2008 wurde planmäßig die Überprüfung und Anpassung der bestehenden WEEE-Direktive gestartet. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf den folgenden Punkten:

  • Die weiter stark anwachsende Abfallfraktion an Elektroaltgeräten,
  • Eine zunehmende Popularität des EU-weiten Versandhandels mit Elektro- und Elektronikgeräten,
  • Die Notwendigkeit für weitere Harmonisierungsmaßnahmen zwischen den Ländern.

Die resultierende und aktuell gültige WEEE-Richtlinie 2012/19/EU (WEEE2) trat im August 2012 in Kraft und wurde im Februar 2014 wirksam.

Umsetzung in den Ländern

Zwar bildet die Richtlinie das gleiche Fundament für alle Mitgliedstaaten, die konkrete Umsetzung in nationales Recht wird jedoch jedem Land selbst überlassen. Dies sorgt, trotz unterschiedlichen Harmonisierungsansätzen, für teilweise sehr unterschiedliche Prozesse, Handhabungen und Kosten in den verschiedenen Ländern.

FAQ: Sind durch die Direktive die Prozesse in ganz Europa gleich?2018-05-26T21:25:30+00:00

Nein, es gibt zwar grundlegende Regeln, aber die endgültige Umsetzung wird jedem Land selbst überlassen. Der Aufwand für eine nationale WEEE-Lösung variiert stark.

FAQ: Reicht eine Registrierungsnummer für den Vertrieb in ganz Europa?2018-05-26T21:49:21+00:00

Nein, die Registrierung erfolgt pro Land und ist auch nur pro Land gültig. Eine deutsche Registrierungsnummer nützt einem Hersteller im Ausland also nichts – und umgekehrt.

FAQ: Kann man für den Vertrieb ins Ausland ohne korrekte Registrierung abgemahnt werden?2018-05-26T22:21:17+00:00

Ja! Sofern ein Hersteller z.B. direkt an (private oder gewerbliche) Endnutzer im EU-Ausland vertreibt, muss er dort entweder eine Niederlassung errichten oder einen lokalen Bevollmächtigten benennen. Die WEEE-Direktive verpflichtet die Mitgliedstaaten dazu, auch den Verkauf ins Ausland zu überwachen (Artikel 17, WEEE Direktive 2012/19/EU). In Deutschland wurde z.B. über §8 (5) ElektroG festgelegt, dass ein Hersteller mit Sitz in Deutschland auch gegen deutsches Recht verstößt, wenn er nicht die nötigen Regeln für den Direktverkauf von Elektro- und Elektronikgeräten in die EU befolgt. Neben Bußgeldern drohen bei Verstößen auch Abmahnungen durch deutsche Mitbewerber, welche im EU-Ausland ihren WEEE-Verpflichtungen nachkommen.

Verpflichtungen im Ausland

Ob man im EU-Ausland als Hersteller in einem Land eigene Verpflichtungen nach der dortigen WEEE-Gesetzgebung hat, hängt vor allem vom gewählten Vertriebskanal ab. Dabei gibt es zwei grundlegende Situationen (die natürlich auch beide gleichzeitig gelten können):

1. Vertrieb an ausländische Importeure, welche die Produkte an Dritte weitervertreiben

Der nationale, ausländische Importeur gilt beim Erwerb von Elektro- und Elektronikgeräten im Ausland automatisch als Erstinverkehrbringer im eigenen Land. Damit wird er ersatzweise zum Hersteller im Sinne der WEEE-Gesetzgebung und muss er für eine passende Product Compliance entlang der jeweiligen Verpflichtungen (z.B. Registrierung und Entsorgung) sorgen.

2. Direktvertrieb an (private oder gewerbliche) Endnutzer, welche die Produkte ausschließlich zum Eigenverbrauch beziehen.

Werden Produkte direkt an Endnutzer im EU-Ausland verkauft (Distance Selling), z.B. über einen Online-Shop, so muss der Exporteur in jenem Land auch als Hersteller tätig werden, da Endnutzer grundsätzlich nie für die WEEE-Compliance der erworbenen Produkte zuständig sind und ohne weiteres kein Dritter im Land die entsprechenden Verpflichtungen übernimmt. Beispielsweise muss also ein deutscher Vertreiber immer dann in jedem EU-Mitgliedsland WEEE-Lösungen auf seine eigenen Kosten einrichten, in dem er von Deutschland aus seine elektrischen und elektronischen Produkte dort direkt zum Kauf anbietet.

HINWEIS: Beim Direktvertrieb an ausländische Endnutzer wird nicht zwischen privaten oder gewerblichen Endnutzern unterschieden. Solange kein im Land niedergelassener Dritter als Importeur oder Bevollmächtigter zwischengeschaltet ist, muss in der Regel der Exporteur die Herstellerpflichten übernehmen und bezahlen.
ACHTUNG! Beim Direktvertrieb ins EU-Ausland können Händler dort schnell zum Hersteller werden, welche die teils umfangreichen und teuren Verpflichtungen einhalten müssen, um keine Bußgelder oder Abmahnungen befürchten zu müssen.
ACHTUNG! Da wie beschrieben die WEEE-Compliance in jedem Land einzeln eingerichtet werden muss, können die Aufwände schnell erheblich werden!

Es ist durchaus möglich (und stellenweise auch nötig), dass ein Exporteur auch dann die WEEE-Verpflichtungen in einem EU-Ausland übernimmt, wenn er eigentlich nur an einen oder mehrere inländische Importeure vertreibt. Die kann beispielsweise aus folgenden Gründen der Fall sein:

  • Ein Importeur weigert sich, die Produkte zu kaufen, weil er nicht bereit ist, die teils aufwändige WEEE-Compliance für diese selber einzurichten,
  • Der Exporteur möchte unabhängig von einem bestimmten Importeur bleiben und die WEEE-Compliance selber gewährleisten und steuern,
  • Für den Exporteur ist die Umweltkonformität seiner Produkte relevant, beispielsweise aus Marketing-Gründen.

Umsetzung der WEEE-Compliance

Es gibt für Exporteure zwei Möglichkeiten, die Compliance mit der nationalen WEEE-Gesetzgebung in einem EU-Mitgliedsstaat selber einzurichten:

1. Einrichtung einer Niederlassung

Der Vertreiber kann in jedem Export-Land eine Niederlassung einrichten, die dann die erforderlichen Tätigkeiten durchführt um die Compliance aufrecht zu erhalten. Vor allem aufgrund der erheblichen Aufwände, ist dies für viele Unternehmen keine Option.

2. Benennung eines Bevollmächtigten

Alternativ zur Einrichtung einer Niederlassung, kann in den meisten Ländern ein sogenannter Bevollmächtigter benannt werden. Dieser richtet die Compliance für den ausländischen Hersteller ein und tritt dabei in seinem Land vollumfänglich für den Hersteller in die Haftung aus den WEEE-Anforderungen ein. Dabei gibt es aktuell folgende Situationen:

  • Ein Land erfordert (noch) gar keinen Bevollmächtigten: Dann kann ein ausländischer Vertreiber wie früher direkt im Land aktiv werden, ohne eine Niederlassung errichten zu müssen,
  • Ein Producer Compliance Scheme (eine Art Entsorger, der auch administrative Tätigkeiten übernimmt) übernimmt die Rolle des Bevollmächtigten zusätzlich zu anderen Dienstleistungen, wie beispielsweise der Entsorgung,
  • Ein externer Bevollmächtigter muss benannt werden. Dies ist beispielsweise in Deutschland der Fall.

Die Beauftragung eines Bevollmächtigten ist in der Regel mit weiteren finanziellen Aufwänden verbunden.

Praktische Probleme

Durch die nationale Umsetzung der WEEE-Direktive, kann man trotz diverser Harmonisierungsversuche weiterhin teilweise große Unterschiede zwischen den verschiedenen Ländern feststellen. Davon betroffen sind vor allem Hersteller und Händler, die europaweit aktiv sind. Folgende Probleme sind zu beobachten:

1. Inkonsistenzen bei der Produkteinstufung

Die Einstufung von Produkten in die Produktkategorien kann je nach Land unterschiedlich erfolgen. Die kann sogar soweit führen, dass ein Produkt in einem Land registrierungspflichtig ist, und in einem anderen nicht. Auch die Beurteilung, ob ein Gerät als Haushaltsgerät oder als professionelles Gerät eingestuft wird, erfolgt oft sehr unterschiedlich. Beispielsweise werden PV-Module derzeit in Deutschland faktisch ausnahmslos als B2C-Geräte eingestuft, während diese in Österreich grundsätzlich als B2B-Geräte gelten.

2. Umsetzung des Offenen Anwendungsbereichs (Open Scope)

Im Rahmen der aktuellen WEEE2-Direktive wird in den EU-Mitgliedsstaaten auf einen Offenen Anwendungsbereich umgestellt. Diese erfolgt nicht in allen Ländern zum gleichen Zeitpunkt. Unterschiedliche Fristen, beginnend mit dem 1. Januar 2018, bis hin zum Anfang des Folgejahres, am 1. Januar 2019, sind zu beobachten.

Weiterhin wird die Veranlagung von Elektro- und Elektronikgeräten innerhalb oder außerhalb des Anwendungsbereichs mal mehr und mal weniger streng gehandhabt. So werden beispielsweise in einigen Ländern jetzt auch einfache Kabel ohne weitere Funktion registrierungspflichtig, während diese in anderen Ländern auch zukünftig ausgenommen bleiben. Die Devise “jedes Elektrogerät ist im Anwendungsbereich, außer es ist explizit gesetzlich ausgenommen” wird also nicht konsequent von allen Ländern so durchgesetzt.

3. Kennzeichnungs- und Hinweispflichten

Nicht nur die Veranlagung eines Elektro- oder Elektronikgerätes innerhalb oder außerhalb des Anwendungsbereichs resultiert in unterschiedlichen Regeln zur Kennzeichnung solcher Produkte. Auch die konkreten Vorgaben variieren von Land zu Land. Beispielsweise steht das Symbol des durchgestrichenen Mülleimers in einigen Ländern ausschließlich für B2C-Produkte, während es in anderen immer auf den Geräten aufzubringen ist, auch wenn es sich um professionelle Produkte handelt.

Weiterhin existieren in den verschiedenen Ländern heterogene Vorgaben zur Information von Endnutzern sowie zum Führen der WEEE-Registrierungsnummer. Form, Inhalt und Ort der Pflichthinweise unterschieden sich teilweise deutlich. Sofern überhaupt eine Registrierung von Herstellern in einem Land erforderlich und möglich ist, muss die entsprechende Registrierungsnummer teilweise an bestimmten Stellen (in Deutschland beispielsweise beim Anbieten und auf Rechnungen) gezeigt werden, teilweise ist dies wiederum nicht erforderlich.

4. Ausweis der Recyclingkosten (Visible Fee)

Vor allem nach dem Inkrafttreten der ersten WEEE-Direktive Anfang der 2000er-Jahre, sollte die separate Angabe der jeweiligen Entsorgungskosten in Form des sogenannten Visible Fee den Endverbraucher auf die konkreten Aufwände für das Recycling eines elektrischen bzw. elektronischen Produktes aufmerksam machen. Mittlerweile ist die in vielen EU-Mitgliedstaaten ausdrücklich untersagt, d.h. hier müssen die Aufwände in den kompletten Produktpreis einkalkuliert werden. Dennoch existiert der Visible Fee in einigen, wenigen Ländern weiterhin, in Form bestimmter Pflichtangaben, die in einer bestimmten Form zu erfolgen haben.

5. Bevollmächtigtenbenennung

Die mit der WEEE2-Direktive 2012 neu geschaffene Möglichkeit, einen Bevollmächtigten zu benennen, sollte es eigentlich ausländischen Herstellern ermöglichen, in jedem Land der EU ohne aufwändiges Errichten einer Niederlassung eine WEEE-Compliance einzurichten. In verschiedenen Länder verzichtet man derzeit jedoch aktiv auf die Notwendigkeit, einen Bevollmächtigten zu benennen, d.h. dort kann ein ausländischer Hersteller immer noch direkt registrieren. In anderen Ländern ist es zwar erforderlich und möglich, einen Bevollmächtigten einzusetzen, dies ist jedoch in der Praxis schwierig oder teuer.

6. Fehlende öffentliche Herstellerverzeichnisse

Nicht in jedem Land ist öffentliches Register mit einer Übersicht der registrierten Herstellern vorhanden. Bestimmte Länder haben wiederum ein öffentliches Register, das jedoch nicht regelmäßig aktualisiert wird. Dies macht es also nicht leicht, eventuelle Free Rider zu entlarven, die sich ihren WEEE-Verpflichtungen entziehen.

7. Sprachbarrieren und nationale Mentalitäten

Während mittlerweile viele EU-Mitgliedsländer Informationen zum Thema WEEE zumindest in englischer Sprache bereithalten, gibt es weiterhin andere Länder, wo die Informationen ausschließlich in der Landessprache angeboten werden. Angesichts der zunehmenden Rückbesinnung auf nationale Interessen, lassen sich sogar Tendenzen zum Rückfall auf frühere Strukturen und Sprachen beobachten, obwohl man zwischenzeitlich bereits international ausgerichtete Informationen und Prozesse bereitgehalten hatte (z.B. in Portugal und Polen).

Ein weiteres Problem stellen die teilweise sehr unterschiedlichen Mentalitäten dar, welche sich beispielsweise in komplexen und inkonsistenten Handhabungen, teilweise willkürlich anmutenden Entscheidungen sowie langwierigen Prozessen niederschlagen. Hinzu kommen in einigen Ländern häufige, oft komplexe Testierungs- und Auditierungsverpflichtungen.

Sowohl sprachliche Hürden als auch der mentalitätsgeprägte Umgang mit dem Thema WEEE in den verschiedenen EU-Ländern erhöhen die Komplexität und den Aufwand bei einer europäischen Umsetzung eines Herstellers oder Händlers.

Frage: Gibt es in jedem Land der EU eine WEEE-Registrierung?2018-05-26T22:22:46+00:00

Nein, nicht alle Mitgliedstaaten haben überhaupt ein WEEE-Register. Eine Lösung besteht dann häufig aus dem Anschluss an ein Compliance Scheme, teilweise ergänzt durch zusätzliche Reporting-Pflichten an eine staatliche Stelle.

Frage: Warum gibt es keine EU-weite WEEE-Compliance, so wie beispielsweise bei der CE-Konformität?2018-05-26T22:23:21+00:00

Bei der Rücknahme und Entsorgung von Abfällen wird in der Regel auf nationale Strukturen und Abhängigkeiten Rücksicht genommen. Dazu gehören vorhandene Entsorgungswege, aber auch geographische Faktoren.

Frage: Wenn ich aus Deutschland ins EU-Ausland vertreibe, kann mich hier doch sowieso keiner dafür bestrafen, oder?2018-05-26T22:31:47+00:00

Jede nationale WEEE-Gesetzgebung, wie beispielsweise das deutsche Elektrogesetz, sieht mittlerweile vor, dass man sich auch im EU-Ausland um seine Herstellerpflichten kümmern muss. Andernfalls drohen im eigenen Land Bußgelder. Auch lokale Mitbewerber können zivilrechtliche Sanktionen, wie beispielsweise Abmahnungen, veranlassen, wenn sie den gleichen (ausländischen) Markt mit vergleichbaren Produkten bedienen. Weiterhin gibt es eine besser werdende, wechselseitige Zusammenarbeit bei der Verfolgung von Free-Ridern. Beispielsweise stellt das EWRN auf seiner Webseite mittlerweile ein Meldeformular zur Anzeige von illegal handelnden Playern zur Verfügung, das auch die Adressen der zuständigen Behörden in vielen EU-Ländern enthält.

Harmonisierungsversuche

Um die WEEE-Anforderungen EU-weit zu lösen, gibt es Ansätze auf unterschiedlichen Ebenen:

EU-Kommission

Auf EU-Ebene wird weiter an der Harmonisierung der WEEE-Richtlinie zwischen den Mitgliedsländern gearbeitet. Beispielsweise wurde im Jahr 2017 mittels einer sogenannten Durchführungsverordnung die einheitliche Ermittlung des korrekten “WEEE-Gewichts” eines Elektro- oder Elektronikgerätes vorgeschlagen. Hier geht es darum, die Rahmenbedingungen für eine einheitliche Berechnung des Produktgewichtes zu definieren, um damit die verschiedenen europäischen Sammelquoten vergleichbarer zu machen. Insgesamt sind EU-weite Harmonisierungsansätze jedoch immer wieder von Rückschlägen gekennzeichnet. So haben ganz aktuell einige Länder der EU beschlossen, vom neuen Kategorienkanon der WEEE2-Direktive abzuweichen, indem eigene, nur national geltende Produktkategorien erfunden wurden.

EWRN

Das sogenannte European WEEE Registers Network (EWRN), ist eine Dachorganisation einiger nationaler WEEE Register. Betreiber der Register können hier zu bestimmten Themen austauschen und versuchen, zu einer einheitlichen Lösung, z.B. in Bezug auf der Kategorisierung von Elektro- und Elektronikgeräten, zu kommen. Das EWRN hat in der Vergangenheit beispielsweise Anwendungshilfen zu bestimmten Ausnahmeregelungen veröffentlicht, an welche sich zumindest die Mitgliedsländer des EWRN orientieren. Leider sind bei weitem nicht alle Länder der Europäischen Union im EWRN organisiert.

Ländergruppen

Auch Verbunden einiger EU-Mitgliedsstaaten wird nachgesagt, eigene, lokal begrenzte Harmonisierungen von Prozessen und Handhabungen einführen zu wollen, beispielsweise den skandinavischen EU-Ländern. Bisher sind in der Praxis jedoch keine solche Ansätze erkennbar.

Lösungsansätze

Welche konkreten Möglichkeiten gibt es für betroffene Unternehmen, um die unterschiedlichen Anforderungen aus den nationalen WEEE-Gesetzgebungen in den Ländern zu lösen?

Mythos: Das Pan-europäische Compliance Scheme

Da wie beschrieben eine EU-weite Lösung zur WEEE-Direktive auf politischer Ebene nicht zur Verfügung steht, wäre der nächst naheliegende Ansatz der eines pan-europäischen Compliance-Schemes, also eines Anbieters, der in allen Ländern niedergelassen und jeweils auch als offizielles Rücknahmesystem für Elektroaltgeräte anerkannt ist. Trotz Bemühungen verschiedener Player existiert bisher kein solcher Anbieter – und es wird sehr wahrscheinlich nie einen solchen geben. Neben den erheblichen Investitionen, die in diesem Zusammenhang erforderlich wären, stehen auch die weiterhin existierenden, halbstaatlichen oder monopolistischen Strukturen in einigen Ländern dem Aufbau eines solchen Systems entgegen.

ACHTUNG! Da es ein Pan-europäisches Compliance-Scheme in der oben beschriebenen Form derzeit nicht gibt und vermutlich nie geben wird, sollten Sie solchen Angeboten mit der gebotenen Skepsis begegnen!

Eröffnen von Länderniederlassungen

Natürlich kann ein betroffenes Unternehmen in allen relevanten Ländern jeweils eine ordentliche Niederlassung errichten, welche dann dort die WEEE-Verpflichtungen übernimmt. Allerdings werden in der Regel bestimmte Mindestvoraussetzungen an die Niederlassung gestellt, in Deutschland beispielsweise:

  • Eintragung im Handelsregister oder alternativ der Nachweis einer festen Einrichtung (z.B. über fest angestelltes Personal und vorhandenes Inventar), die auf einen dauerhaften Geschäftsbetrieb ausgerichtet ist,
  • Vorhandensein einer nationalen Steuernummer,
  • Keine Veranlagung als Tochtergesellschaft.

Weiterhin werden in der Regel die durchaus erheblichen einmaligen sowie fortlaufenden Aufwände der Einrichtung mehrerer Länderniederlassungen dieser Strategie entgegenstehen.

Best-Practice: Managed Services

Die bestmögliche Lösung der EU-weiten WEEE-Compliance besteht aus dem zentralen Management der verschiedenen und am besten geeigneten Angebote in den Ländern durch einen spezialisierten Berater und Dienstleister. Dieser schlägt auf Basis der individuellen Anforderungen eines Herstellers oder Händlers eine optimale Strategie sowie geeignete, nationale Serviceangebote vor, richtet diese weitestgehend ein und betreibt anschließend das Management aller resultierenden Prozesse. Dieser Compliance Manager agiert als Schnittstelle zwischen dem Hersteller bzw. Händler sowie den involvierten Organisationen. Er übernimmt die meisten erforderlichen Prozesse und entlastet so den Auftraggeber drastisch von den entsprechenden Aufwänden. Die Gesamtaufwände einer solchen Lösung sind in der Regel deutlich geringer als bei der Gründung eigener Niederlassungen oder bei pauschalen, pan-europäischen Angeboten.

WEEE außerhalb der EU

Während die WEEE-Direktive nur in der Europäischen Union gilt, gibt es in vielen Ländern Europas, aber mittlerweile auch weit darüber hinaus, eigene, vergleichbare Ansätze. Auf dem europäischen Kontinent findet man beispielsweise in der Schweiz und Liechtenstein sowie in Norwegen sehr ähnliche Gesetzgebungen und Ausgestaltungen. Aber auch Länder wie die Türkei sowie weltweit viele Bundesstaaten der USA, Japan und Schwellenländer wie beispielsweise Brasilien arbeiten an eigenen Regularien für das Inverkehrbringen und die Rücknahme von Elektro- und Elektronikgeräten.

In den meisten Nicht-EU-Staaten gelten derartige Gesetzgebungen in der Regel verpflichtend nur für inländische Unternehmen, während ausländische Hersteller und Händler oft freiwillig die Anforderungen erfüllen können. Die Möglichkeit bzw. den Zwang, sich über einen Bevollmächtigten in einem Land als Hersteller registrieren zu können, gibt es aktuell jedoch nur innerhalb der EU.